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Hamburg, den 10.  Mai 2012

Baggern im Sauerstoffloch

Die Frühlingssonne ließ die Algen in der Oberelbe erblühen, was im Gewässergütemessnetz des Instituts für Hygiene und Umwelt, Hamburg, an der Station Bunthaus mit hohen Chlorophyll- und Sauerstoffkonzentrationen (ca. 12 mg Sauerstoff (O2)/l) registriert wurde. Doch die Algen, die lebend und Sauerstoff produzierend im Hamburger Hafen ankommen, sterben durch die Dunkelheit des seeschifftiefen Gewässers und aus Mangel an Flachwasser-Lebensraum ab. Die tote Biomasse wird von Bakterien abgebaut, wobei Sauerstoff verbraucht wird. An den Messstationen Seemannshöft und Blankenese beobachtete man daher, dass seit dem 1. Mai die Chlorophyllkonzentrationen auf einen Bruchteil abstürzten und die Sauerstoffgehalte stetig der Marke 3 mg O2/l entgegen sanken, die für Fische tödlich ist.

Nicht nur »Rettet die Elbe«, sondern auch die Hamburg Port Authority (HPA) machten sich Sorgen. Seit der letzten Elbvertiefung bilden sich Untiefen sehr viel schneller, so dass diese kurzfristig und öfter beseitigt werden müssen. Bei sommerlichen Wassertemperaturen besteht die Gefahr, dass beim Baggern sauerstoffzehrende Substanzen aufgewirbelt werden.

Im letzten Jahr noch hatte HPA keine Hemmungen, der in ihrem Bett röchelnden Elbe (weniger als 2 mg O2/l) obendrein eine Ladung Schlick in den Hals zu schütten. »Rettet die Elbe« kritisierte dieses Vorgehen . In diesem Jahr hat HPA mit der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt (BSU) vereinbart, alle Baggereinsätze vorab der BSU zu melden, und, sofern die BSU feststellt, dass die Sauerstoffkonzentration bei Seemannshöft im Mittel des letzten Tages 4 mg O2/l unterschreitet, die Baggerei auszusetzen.

Am Montag, 7.5., lag der Sauerstoffgehalt knapp über 4 mg O2/l, war HPA drauf und dran, die Fahrt des Wasserinjektionsschiffs „Akke“ zu stoppen und eine gute Umweltnachricht zu senden. Mangels Sonnenschein und bei fallender Wassertemperatur kam es nicht so weit, und die „Akke“ kreuzt weiter auf der Elbe.

Die „Übergangsregelung“ zwischen HPA und BSU verschlechtert in Wirklichkeit die Bedingungen für die Umwelt. Die alte Regelung besagte, dass bei Wassertemperaturen über 10 GradC, praktisch während des ganzen Sommerhalbjahrs (180 Tage), Baggergut weder verklappt, geschlickeggt noch wasserinjiziert werden dürfe. Die jetzige Grenze 4 mg O2/l hätte im letzten Jahr nur an 37 Tagen die Baggerei verhindert. Dauert der Sauerstoffmangel zu lange, verlangt HPA eine Ausnahme. Das Ziel des Gewässerschutzes gemäß Wasserrahmenrichtlinie, der „gute ökologische Zustand“ liegt bei 6 mg O2/l. Die BSU ist vor HPA in die Knie gegangen.

Auch HPA kann nicht zufrieden sein, denn bei Unterbrechungen müssen die Baggerfirmen trotzdem bezahlt werden. Wird die Elbe vertieft, nimmt der Druck zu baggern zu, während die Elbe bezüglich des Sauerstoffhaushalts empfindlicher wird.

Da HPA nicht klug wird und auf die Elbvertiefung verzichtet, werden »Rettet die Elbe« und andere Umweltschützer das Vorhaben zum Wohle des Flusses und des Hafens verhindern müssen.

»Rettet die Elbe« hat darüber hinaus Vorschläge erarbeitet, wie die Struktur der Unterelbe im Hamburger Raum durch die Schaffung von Flachwassergebieten verbessert werden kann. Das Bett der Alten Süderelbe von Moorburg bis zum Köhlfleet sollte als Bypass zum Hafen wieder hergestellt werden, und die Billwerder Bucht sollte durch ein zweites Sperrwerk am Südende wieder von der Tide durchströmt und als Flachwasser freigehalten werden.



schnapp2pdf.gifDie Baggerfahrt der Akke im Sauerstoffloch 2011
schnapp2pdf.gifSauerstoffmangel wegen Baggerei 2010
schnapp2.gifwie das Sauerstoffloch entsteht und welche Folgen es hat
schnapp2.gifSauerstoffloch - eine ökologische und politische Analyse